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Alge im Brötchen

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Alge im Broetchen - Einsatz von Antifreeze-Proteinen

 

Selbst so simple Dinge wie ein Tiefkühl-Brötchen kommen nicht ohne jede Menge an Forschung und Technologie aus. Frisch aus dem heimischen Backofen, sollen sie möglichst nah an ein vom Bäcker gebackenes Brötchen heran kommen. Dazu bedarf es allerdings einer ausgefeilten Rezeptur und zukünftig vielleicht sogar Mikroalgen und ihrer Antifreez-Proteine.

Tiefkühlprodukte sind fester Bestandteil der Ernährung vieler Verbraucher.  Viele der Produkte sind sogenannte „Convenice Foods“, also vorab zubereitete Nahrung, die vom Verbraucher oft nur noch erhitzt werden muss. Diese Nahrungsmittel, sind nur mit Zusatzstoffe, den Anforderungen der Kühlung und anschließenden Erwärmung gewachsen, da Sie nach der Zubereitung auch noch gut aussehen und schmecken sollen.

Tiefkühlbrötchen sind ein Beispiel für einen Markt der sich für Wertstoffe aus Algen auftut. Die Brötchen werden als Tiefkühlteiglinge ausgeliefert und dann im Backofen zur fertigen Ware gebacken. Nicht nur der Endverbraucher kann damit sonntags bequem  seine frischen Brötchen bekommen, sondern auch viele Bäckereien bekommen die Brötchen als Tiefkühlteiglinge geliefert und backen diese dann in der Filiale fertig.  Die Tiefkühlteiglinge haben in den letzten Jahren einen enormen Marktanteil gewonnen haben. Die Gründe dafür sind offensichtlich, da sich viele Backbetriebe mit einer zunehmenden Filialisierung auf ihr Kerngeschäft konzentrieren. Vor allem auch bei Snacks werden dann Teiglinge zugekauft. Hier besteht also ein solider Markt, der sich über die letzten Jahre positiv entwickelt hat.

Der Vorgang des Gefrierens von Backwaren ist allerdings nicht wenig kompliziert. Hier muss man mit Qualitätseinbußen rechnen, die oft auf die Bildung von Eiskristallen zurückzuführen sind. Heute wird versucht, das Problem über Schockfrosten zu mindern, was allerdings zu hohen Kosten und Energieeinsatz führt. Dies ist genau der Punkt an dem die Algen helfen können. Bestimmte Algenarten, die in kalten Regionen wachsen (z.B. Schneealgen), verfügen über sogenannte Antifreeze-Proteine. Diese, auch als eisstrukturierende Proteine bezeichneten Eiweiße, habe die Eigenschaft, die Entwicklung von Eiskristallen zu verhindern.

Hier setzt ein Forschungsprojekt des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) an. Die Entdeckung und Isolierung eines speziellen, hochaktiven Antifreez-Proteins aus der Meereis-Kieselalge Fragilariopsis cylindrus,  bietet die Möglichkeit ein besonders effizientes Antifreeze-Protein der Wirtschaft verfügbar zu machen. Ziel des Projekts ist die Verbesserung von Qualitätsmerkmalen von Tiefkühlteiglingen.

Ich finde, dass ist ein schönes Beispiel, wie sich im Zuge des steigenden Forschungs-aufkommens an Mikroalgen, immer weitere Anwendungsgebiete (neben der Energie aus Algen) und damit auch lohnenswerte Märkte erschließen. Und dabei haben wir erst an der Oberfläche der Möglichkeiten gekratzt, da wir erst einen  Bruchteil der weltweit vorhandenen Algenarten kennen. Und von diesem Bruchteil sind erst wenige Algen überhaupt näher untersucht worden. Ein weiteres Beispiel aus dem Nahrungsmittelbereich ist Almagin von Solazyme-Roquette Nutritionals. Hier öffenen sich riesige Märkte für ein innovatives Produkt aus Algen!

Link zum Projekt: „Einsatz eines neuartigen Antifreeze-Proteins aus marinen Ressourcen (Kieselalgen) in tiefgekühlten Teiglingen

Übrigens – die Kieselalge  Fragilariopsis cylindrus wurde zur Alge des Jahres 2011 ernannt. Begründet wurde das mit  der enormen Widerstandsfähigkeit der Alge. Sie überlebt im Eis der Polarmeere, einem der extremsten Lebensräume der Erde. Mehr Details finden Sie in dem Artikel „Alge des Jahres 2011: Fragilariopsis cylindrus liebt das Extreme“.

Foto: Flickr | Daniel Rüd

 

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