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Algen, Biosprit und die 5%-Herausforderung

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Es ist in aller Munde: Bis 2020 sollten 10% des für den Transport in der EU benötigten Sprits aus nachwachsenden Rohstoffen kommen. Aufgrund der Bedenken gegenüber den Biokraftstoffen der ersten Generation soll deren Anteil aber nunmehr auf 5% beschränkt werden. Die restlichen 5% sollen durch eine nächste Generation von Biokraftstoffen ersetzt werden, die aus Reststoffen, Zellulose oder Algen gewonnen werden. Wo die Algen schon mal offiziell genannt werden – wie stehen denn die Chancen und was sagen die Branchenteilnehmer?

Jetzt habe ich doch glatt mal gewartet, habe fast drei Wochen die Füße still gehalten. Ich dachte, jetzt wo die Algen schon mal im Spiel sind, wo das Wort gefallen ist, jetzt passiert was. Ist doch eigentlich der richtige Moment, in dem sich die einschlägigen Unternehmen, Forschungseinrichtungen und vor allem die Interessensvertretungen mal zu Wort melden, die Chance wahr nehmen darauf hinzuweisen, dass hier in Deutschland eine Menge kluger Köpfe sitzen, die an der Zukunftsfähigkeit von Algentechnologien basteln.

Ok, das ist nicht nur ein Thema für Deutschland. Hier ist ganz Europa gefragt. Und weil das so ist, haben wir ja einen Verband, der sich des Themas Algen angenommen hat. Ziel ist unter anderem die Kommunikation des Themas in allen Facetten und eine Vertretung der Interessen seiner Mitglieder. Das ist keine Mutmaßung, sicherheitshalber habe ich das nochmal in den Statuten der Vereinigung nachgelesen (“Making algae research and industry alive in public debate”). Auch hier: Schweigen im Walde.

Also keiner der sich für die Möglichkeiten der Algenbiotechnologie ausspricht. Niemand der die Chance nutzt, darauf hinzuweisen, was für Potentiale die Ressource Alge bietet? Da wären wir ja schon beim ersten Punkt der charakteristisch für die Algenbiotechnologie in Europa ist.

Plädoyer für weniger Probleme und mehr Herausforderungen

Ich hatte mich dazu schon in meinem Artikel zum European Workshop Biotechnology of Microalgae geäußert. Bei aller Skepsis die den ganz großen Versprechungen von Algensprit an allen Tankstellen entgegen zu bringen ist – es fehlt uns in Europa zu oft an Vision und Entschiedenheit den Traum vom Biosprit aus Algen unternehmerisch anzugehen. Zu oft leider auch dort, wo bereits fundierte Forschung und Entwicklung vorliegt und damit das Potential der Alge realistisch erschlossen werden könnte.

Das bietet ärgerlicherweise Raum für Mitspieler, die oft ohne das nötige Wissen und die Fähigkeiten das Feld für sich ein- zunehmen suchen. Die Gefahren die sich daraus für das Ansehen der Algenbiotechnologie ergeben, muss ich wohl nicht aufzählen.

Algenbiotechnologie: Stand der Entwicklung

Fakt ist, dass eine wirtschaftliche Produktion von Algenkraftstoff im industriellen Maßstab noch weit von der Realität entfernt ist. Ist es unmöglich? Ich denke nicht, hier spielen Geschäftsmodell und -strategie sowie die geschickte Nutzung vorhandener Optimierungs-potentiale entlang der Wertschöpfungskette eine Rolle.

Ein Kunden von mir, hat zu Beginn eines Projektes einen denkwürdigen Satz gesagt der sich mir eingebrannt hat: “Es ist uns egal, ob die Algen schon heute wirtschaftlich Biokraftstoff produzieren können. Was für uns die entscheidende Frage ist: steht die Algenbiotechnologie am Anfang ihrer Entwicklung, oder ist das Thema bereits ausgereizt?”

Eines kann ich guten Gewissens versichern: wir fangen erst gerade damit an, uns das Potential der Algen zu erschließen. Damit dies auch in Europa ein bisschen schneller gelingt, erhoffe ich mir von den kommunizierten Zielstellungen der EU auch konsequenterweise deutliche finanzielle Unterstützung. Und das möglichst noch vor Ablauf der kommenden acht Jahre – bis 2020 sollte ja wenigsten ein Teil der geforderten 5% durch Algensprit gedeckt werden.

Zeit ist ein kritischer Faktor

Acht Jahre ist nicht viel Zeit. Realistisch betrachtet, müssten wir eigentlich heute schon die Technologie final entwickelt haben, um die Kapazitäten zur Produktion der Treibstoffe aufbauen zu können. Das sehe ich weder bei Algen noch bei den anderen genannten Technologien als realistisch an.

Dennoch – selbst wenn wir es in diesen 8 Jahren nicht schaffen sollten das gesteckte Ziel zu erreichen, werden wir auf jeden Fall große Fortschritte in der Forschung und Entwicklung realisieren können. Und wenn Kraftstoff aus Algen das Ziel ist, dabei aber „nebenbei“ auch noch weitere Innovationen aus Algen den Markt erobern – wen sollte das stören?

 

2 Comments

  1. Deutlich sinnvoller wäre es, wenn man endlich mal wirklich in die Alternativen investieren würden. Die ersten Hybriden mit Strom, Gas, Wasserstoff sind doch schon am Markt. Leider sind die Techniken nicht soweit ausgereift, dass es sich lohnt.

    Elektroautos haben z.B. den Nachteil, dass ein Ladezyklus zu lange dauert, die Autos sehr teuer sind und der Akku nur 150km hält. Wenn die Akkus endlich mal 600 Km halten und ein entsprechendes Auto in 10min aufgeladen ist, dann haben wir meines Ermessens den wichtigsten Schritt geschafft. Umweltschonendere Fahrzeuge.
    Das einzige Manko wird wohl sein, dass unsere Kraftwerke, Windkraftwerke und und und nicht ausreichend Energie liefern könnten.

    Mal abwarten.
    10 % nach aktuellem Stand halt ich für nicht machbar.

  2. Algen in Europa….hahahahaah…vergesst es. Vor allem in dem sparwütigen risikoscheuen Deutschland kann mans vergessen.

    In Europa zählt nur die Öl Lobby und deren Interessen sowie der der Staatengemeinschaften die daran prächtig verdienen mit Ökosteuer, Mineralölsteuer, umsatzsteuer etc.siehe auch strompreis der aktuell bei 8 cent grundpreis wäre und aber der endpreis nun bis zu 27cent pro kilowattstunde beträgt weil alle schön gierig mitprofitieren mit netzentgelten, wahnwitzigen Steuern(Ökosteuer-Mehrwertsteuer-Stromsteuer Steuer steuer steuer……kotz)

    warum sollten die Regierungen in alternative Biotreibstoffe also investieren wenn der profit ja viel geiler ist als der Umweltgedanke.

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