permalink

2

Algen-StartUp – Geschäftsmodelle im Überblick

Tweet about this on TwitterShare on FacebookShare on LinkedInShare on Google+Email this to someone ... thanks for sharing!

Mit einer voranschreitenden Branchenentwicklung, differenzieren sich auch verschiedene Geschäftsmodelle und Verdienstmöglichkeiten im Bereich der Algen heraus. Wenn Sie über eine Gründung in dem hochspannenden und innovativen Feld der Algenbiotechnologie nachdenken, sollten Sie sich darüber im Klaren sein, mit was Sie Geld verdienen wollen. Im Umfeld der Algenzucht gibt es viele mögliche Geschäftsmodelle und Produkte mit denen Sie die Märkte erobern können. Im Folgenden ein paar Ideen und vor allem die Voraussetzungen, die Sie dazu mitbringen sollten.

 

Das „Full Service Algenkraftstoff-StartUp“

Sie können versuchen, die gesamte Wertschöpfungskette der Algen abzudecken und von Zucht der Alge bis zum Algenkraftstoff alles „inhouse“ zu leisten. Wenn das Ihr Ziel ist, sollten Sie viel Zeit und Geld im Gepäck haben. In den USA werden solche Unternehmen von Risikokapitalgebern oder strategischen Investoren gerne mal mit zwei- bis dreistelligen Millionenbeträgen unterstützt. Stellen Sie sicher, dass Sie entweder großzügige Finanziers haben, und auf absehbare Zeit einen gewissen CashFlow realisieren können. Denn selbst die Risikokapitalgeber erwarten mittlerweile, dass auf dem Weg zum Biokraftstoff Umsätze auf leichter zu erobernden Märkten getätigt werden.

Was Sie (unter anderem) brauchen:

  • Eine innovative, überzeugende Algen-Technologie inklusive sicherer IP-Basis (Patente)
  • Einen aussagekräftigen Businessplan, der überzeugend darstellt, dass Sie auf absehbare Zeit wirtschaftlich aus Algen Kraftstoff herstellen können
  • Investoren, die bereit sind Millionenbeträge zu investieren (die finden Sie aktuell eher in den USA als in Deutschland – also haben Sie auch besser dort noch eine Dependance Ihres Unternehmens). Wenn Sie noch keinen Finanzier haben, finden Sie hier einen Artikel dazu wie man Investoren gewinnen kann.
  • Die Bereitschaft einen großen Teil der Herrschaft über Ihr Unternehmen in fremde Hände zu geben. Das wird bei einer Finanzierung im Millionenbereich unweigerlich geschehen, wenn Sie nicht über eine Gegenfinanzierung in entsprechender Höhe aus eigener Tasche verfügen

Anbieter von hochpreisigen Inhaltsstoffen aus Algen

Wenn Sie als Endprodukt gerne Hochwertstoffe verkaufen möchten, sollte auch hier klar sein, welchen Teil der Wertschöpfungskette Sie selber abdecken können und was Sie an Dienstleister auslagern. Für eine Algen-Produktionsanlage (z.B. Photobioreaktor) im Industriemaßstab, müssen Sie auch hier mit Millionenbeträgen rechnen.

Idealerweise haben Sie schon Zugang zu den Märkten, vielleicht schon strategische Investoren, die auch als Abnehmer dienen. Natürlich sollte Ihnen die Konkurrenz und marktübliche Preise bekannt sein. Die Preise findet man doch überall im Internet? Verlassen Sie sich besser nicht ausschließlich auf diese Daten! Gehen Sie lieber davon aus, dass Sie mit Ihrem Produkt auch preislich die aktuellen Alternativen schlagen können sollten. Habe Sie auch im Blick, dass die Preise sinken könnten, wenn die Verfügbarkeit am Markt steigt. Größere US- Unternehmen mit hohen Produktionskapazitäten und reichlich Risikokapital liebäugeln bereits mit den bekannten Hochwertstoff-Märkte um auf dem Weg zum Biokraftstoff noch ein paar Euro zu verdienen.

Was Sie (unter anderem) brauchen:

  • Eine klare Vorstellung von der Konkurrenzfähigkeit Ihres Produktes
  • Gute Kontakte in den Absatzmärkten sowie fundierte Kenntnisse über die geltenden Marktmechanismen
  • Finanzielle Ressourcen bis die ersten Umsätze getätigt werden können (Aufbau, Inbetriebnahme und Optimierung einer Algenzucht brauchen ihre Zeit…)
  • Optimierte Produktionsstämme und das geeignete Klima für die gewünschten Produkte

Technologieanbieter

Wenn Sie eher ein Tüftler sind, gibt es auch die Möglichkeit Technologien, wie z.B. Photobioreaktoren, zu verkaufen. Bevor Ihnen jemand einen neu entwickelten Photobioreaktor abkauft, müssen sie allerdings erst einmal bewiesen haben, dass er auch funktioniert. Hier sind nicht nur Werte bezüglich der Biomasseerträge verschiedener Algenarten sinnvoll, sondern auch der Energieeinsatz beim Betrieb und die daraus resultierenden Kosten. Der Nachweis der Funktions- und Wettbewerbsfähigkeit, kann eine Testphase im Freiland über einen längeren Zeitraum erfordern.

Für andere Technologien (Separation, Trocknung, Konversion) entlang der Algen-Wertschöpfungskette, sehe ich durchaus noch Bedarf an optimierten Verfahren. Allerdings sind in jedem der Bereiche schon Player am Markt vertreten. Wenn Sie ein konkurrenz-fähiges Produkt haben, könnte die Zeit momentan spannend für Sie sein. Allerdings sollten Sie nicht nur günstiger, sondern auf jeden Fall auch energieeffizienter und damit im operativen Betrieb günstiger sein.

Was Sie (unter anderem) brauchen:

  • Einen guten Überblick über die Leistungsfähigkeit und Kosten der aktuell auf dem Markt befindlichen Konkurrenz-Systeme
  • Ein Produkt, das eine klaren Vorteil gegenüber der Konkurrenz aufweist
  • Einen Plan, wie Sie von einem „proof of concept“ zum Pilot und dann zum industriellen Maßstab kommen und was das kosten könnte
  • Eine Leidenschaft für Vertrieb und Marketing und/oder entsprechenden Mitarbeiter

Anbieter von Nahrungsergänzungmitteln aus Mikroalgen

Schon lange auf dem Markt, aber in steter Regelmäßigkeit wieder neu erfunden: Nahrungsergänzungsmittel aus Mikroalgen. Die Auswahl der zugelassenen Mikroalgen (und phototropher Bakterien) ist aktuell begrenzt und so werden üblicherweise Spirulina, Chlorella und Afa-Algen oder Mischungen davon angeboten. Wenn man die richtigen Kanäle für den Einkauf der Algen hat, sind hier thoretisch hervorragende Margen zu erzielen.

Zu bedenken ist allerdings, dass eine ausgesprochen starke Konkurrenzsituation auf dem Markt herrscht. Zur Differenzierung von Wettbewerbern sind in letzter Zeit häufiger „moderne“ Designs der Algen-Produkte zu finden, auch Vermarktungsstrategien über biologischen Anbau und hygienische, regionale Zucht (hier in Deutschland) sind beliebt. Dennoch kann man davon ausgehen, dass die Marketingaufwendungen zur Realisierung einer Sichtbarkeit in den relevanten Zielgruppen erheblich sein dürften. Nehmen Sie dazu als groben Anhaltspunkt auch einfach mal die Kosten, die Google pro Klick für wichtige Keywords einfordert.

Was Sie (unter anderem) brauchen:

  • Eine sorgfältige Analyse Ihrer speziellen Zielgruppe (sind Algen hier eine Option zur Nahrungsergänzung und in welcher Form der Darreichung werden Sie vom Kunden angenommen?)
  • Ein Preisstrategie die Sie auf Ihre Zielgruppe zuschneiden
  • Vertriebskanäle oder z.B. bei Eigenvertrieb übers Internet das Wissen (und Geld) bezüglich der Marktmechanismen in diesem speziellen Metier (AdWords Kampagnen, SEO, etc.)
  • Eine klare Vorstellung bezüglich der Kosten für die Formulierung und das Design des Produktes (nicht zu unterschätzen, wenn professionell angegangen)
  • Ausreichend finanzielle Reserven, bis das Branding Ihrer Marke sich in Verkaufserfolgen niederschlägt

 

2 Comments

  1. Ich habe Ihren Beitrag mit großem Interesse gelesen, insbesondere was die Absatzmärkte anbelangt.
    Kennen Sie denn die Absatzmärkte in Deutschland für hochqualifizierte Mikroalgen? Denn dies müßte m. E. doch der erste Schritt sein, bevor man sich mit dem Bau einer Produktionsanlage
    beschäftigt. Nur wenn ich den Markt kenne, kann ich mir doch Gedanken machen wie, wo und was ich produzieren muß.
    Ich freue mich auf Ihre Antwort.
    Mit freundlichen Grüßen
    Manfred Buehler

    • Hallo Herr Bühler,
      ich sehe es wie Sie. Wenn Sie eine Algenzucht aufbauen, müssen Sie schon vorher wissen was Sie produzieren wollen. Das Produkt bestimmt dann auch Parameter der Zuchtanlage und ggf. den Standort. Um das Produkt zu definieren, macht es Sinn sich einen Überblick über die aktuelle Marktsituation im Bereich der Mikroalgen zu verschaffen. Da die Algenbiotechnologie noch in den Kinderschuhen steckt, empfehle ich ein Konsortium zu etablieren an dem ein Abnehmer für die Algenmasse/Endprodukte beteiligt ist. Das mindert das Risiko der (nicht geringen) Erstinvestition in die Anlagentechnik.
      Zu den Absatzmärkten für Mikroalgen/Mikroalgen-Produkte – nur Deutschland zu betrachten wäre zu kurz gesprungen. Das “Algen-Business” ist international und ein Fokus auf einen rein deutschen Markt wahrscheinlich eher unattraktiv. Was heute weltweit häufig produziert und verkauft wird sind Chlorella und Spirulina für Nahrungsergänzungsmittel. Interessante Märkte für die Zukunft sind unter anderem hochwertige Produkte aus Mikroalgen wie ungesättigte Fettsäuren, Astaxanthin, Phycoyanin und andere Inhaltsstoffe verschiedener Algenarten. Viele weitere potentielle Produkte oder Verfahren mit Algen finden Sie hier auf dem Blog – ein spannendes Thema!
      Viele Grüße, Timo Enderle

Leave a Reply

Required fields are marked *.