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Algenbiotechnologie – hochprofitabel und unentdeckt?

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Im Zuge meiner täglichen Informationsrecherche im Bereich der Algenbiotechnologie, bin ich kürzlich über eine kleine Anzeige gestolpert, die aktuell auf einem Wirtschafts-Blog geschaltet ist. Dabei wird die Algentechnologie einer börsennotierten Firma mit den Worten „hochprofitabel und unentdeckt“ beworben. In diesem Fall kann ich es mir nicht verkneifen, in aller Kürze ein wenig zu kommentieren…

In den letzten Jahren wurden Investoren mit vielen Versprechen bezüglich der Zukunft der Algenbiotechnologie gelockt. Wenn wir uns die Voraussagen der zu produzierenden Tonnagen an Algentreibstoff ansehen, die von einigen Unternehmen öffentlich gemacht wurden, sollten wir in Kürze im Stande sein, größere Mengen Algenkraftstoff zu tanken. Fakt ist, dass die Entwicklung trotz hoher Risikokapital-Investments, Fördemitteln und Erlöse aus Börsengängen, bis heute noch nicht zu einer wirtschaftlichen und industriellen Produktion von Biokraftstoffen aus Algen geführt hat. Was uns zur Frage der Profitabilität bringt:

Ist die Algenbiotechnologie hochprofitabel?

Hier muss eine klare Unterscheidung bezüglich des Endproduktes getroffen werden. Industrielle Algenbiotechnologie existiert schon seit Jahrzehnten und kann auch profitabel sein. Wenn wir uns den Markt für Nahrungsergänzungsmittel und Wertstoffe aus Algen ansehen, gibt es eine Reihe von Unternehmen, die sich hier erfolgreich etabliert haben. Dazu gehören auch große Konzerne, die dezidiert Feinchemikalien mit Algen produzieren. Dass dieses Geschäft nicht unprofitabel sein kann, sieht man auch an den jüngsten Übernahmen, Investments und Joint Ventures mit Algentechnologie-Unternehmen, durch die Großen der Chemie und Lebensmittel-Branche.

Wenn wir uns aber auf die energetische Nutzung der Mikroalge konzentrieren, ist nach meiner Meinung zum heutigen Zeitpunkt noch kein Unternehmen in der Lage, zu marktgängigen Preisen Kraftstoffe zu produzieren. Alle Bemühungen in diesem Bereich werden aktuell über VC-Investments, Fördermittel und evtl. eine interne Querfinanzierung gestützt. Von Profitabilität kann hier keine Rede sein – schon gar nicht von „hochprofitabel“.

Mir ist durchaus bewusst, dass eine Anzeige zu einem „Klick“ verlocken soll und deswegen werblich gestaltet werden muss, dennoch bleibt ein ungutes Gefühl bei dem Wort „hochprofitabel“. Wahrscheinlich spielt hier aber auch meine Prägung aus dem europäischen Kulturraum eine Rolle, in anderen Ländern werden entsprechende Claims nicht als unangemessen bewertet.

Sollte man „Algen-Aktien“ kaufen?

Das Ziel der Anzeige ist die Werbung für das Unternehmen, dessen Aktien man an der Börse kaufen kann. Es gibt bereits eine Reihe von Unternehmen die sich an der Börse tummeln. Die Aktienwerte sind aber oft im „Penny-Stock“ Bereich, also sehr gering.

Zum aktuellen Zeitpunkt gibt es zwischen den auf dem Markt befindlichen Firmen große Unterschiede bezüglich Technologie, Geschäftssmodell, werthaltigen Allianzen etc.. Für den Laien sind entscheidende Schwachpunkte Punkte oft nur schwer zu erkennen und ein finanzielles Engagement daher oft risikobehaftet. Nach meiner Einschätzung gilt dies momentan mehr oder weniger für alle Algenbiotechnologie-Unternehmen – es sind faktisch HighTech StartUps, die unter hohem Risiko den lukrativen Biokraftstoffmarkt (z.B. für Schiffsdiesel) erobern wollen. Zur Generierung von Umsätzen werden dabei zum Teil auch andere Märkte angegangen, aber in den meisten Fällen sind Biokraftstoffe das Ziel. Dieses Risiko spiegelt sich oft auch im Aktienkurs wider und sollte jedem Käufer bewusst sein.

Ach – bevor ich es vergesse: wichtige Papiere (z.B. Due Diligences und andere unabhängige Bewertungen Dritter) die von Unternehmen allzu offenherzig hergezeigt werden, könnten sich (vielleicht, unter Umständen, eventuell) nicht allzu kritisch mit den potentiellen Schwach-punkten eines Unternehmens (natürlich, nur sofern vorhanden) auseinander setzen. 😉

Ich zumindest, kenne keine Due Diligence eines jungen HighTech-Unternehmens, die unabhängig erstellt wurde (z.B. im Auftrag eines Investors) und danach so uneingeschränkt positiv ausfiel, dass sie als Werbemittel eingesetzt wurde. Zumindest nicht im Rahmen meiner Tätigkeit, aber ich lasse mich gerne eines Besseren belehren – Kommentare sind willkommen!

 

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