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Algenbiotechnologie – 5 Dinge auf die Sie achten sollten, bevor Sie investieren

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Algen Investment

Der Algenbiotechnologie gehört die Zukunft – CO2-neutraler Algensprit in Mengen und dabei gleichzeitig das Kohlendioxid aus Kraftwerken wiederverwerten. Alles schon greifbar, man muss nur noch ein paar Hektar bewirtschaften (die praktischerweise selbstverständlich auch in der Wüste angelegt werden dürfen) und schon ist man auf dem Weg zum Algen-Unternehmer der Zukunft. Oder?
Auch wenn sich die Versprechen mancher Unternehmen/Projektierer danach anhören, leider ist es nicht so leicht. Im Folgenden mal ein paar der Dinge auf die man als Investor oder Geschäftspartner achten sollte.

In Zuge meiner beruflichen Aktivitäten werde ich oft auch von Personen kontaktiert, die Interesse am Aufbau einer Algenzucht haben. Leider muss ich dann gelegentlich doch vor überzogenem Optimismus warnen, auch wenn ich das Potential der Algenbiotechnologie definitiv nicht schmälern möchte.

Allerdings kenne ich auch noch kein Unternehmen, das aktuell in der Lage wäre Biokraftstoff aus Algen kosteneffizient herzustellen. Ganz im Gegensatz zu dem Eindruck der manchmal erweckt werden soll. Auch die Produktion von reiner Algenbiomasse (z.B. Chlorella oder Spirulina) macht nur dann Sinn, wenn die Abnehmer bereit sind die geforderten Preise zu zahlen. Hier ist die Preispolitik der Konkurrenz aus Asien zu beachten! Generell rate ich Laien eher davon ab sich ohne kompetente Partner und klare Abnehmerstrukturen in dieses Abenteuer zu stürzen.

Im Folgenden ein paar Beispiele von Fragestellung die man abklären sollte, bevor man sich auf intensivere Geschäftsbeziehungen einlässt.

Kraftstoff aus Algen – aber welcher?

Biodiesel ist nicht gleich Biodiesel. Und mit FAME fliegen Sie auch keine Flugzeuge. Sollten Sie feststellen, dass Ihnen Ihr potentieller Partner aus der Algenbranche zwar die Algen als Ölproduzenten verkaufen möchte, aber keine Ahnung von den möglichen Endprodukten und Marktmechanismen hat – lassen Sie lieber die Finger davon. Ebenfalls wenn man Ihnen keine fundierten Aussagen über das Downstreaming geben und ggf. seriöse Partner für diesen Bereich empfehlen kann (idealerweise besteht hier bereits eine nachweisbare Zusammenarbeit…). Auch sollte schon klar sein, welches Verfahren zur Generierung der Kraftstoffe genutzt wird und dieses sollte selbstverständlich auch schon marktreif sein (lassen dazu ruhig mal über CAPEX und OPEX der eingesetzten Technologien informieren).

Ich durfte in der Unternehmenspräsentation einer Firma (die Biokraftstoff aus Algen produzieren möchte) erfahren, dass man FAME-Biodiesel aus Algen für die Luftfahrtindustrie produzieren möchte. Zugunsten der Firma gehe ich davon aus, dass nicht die Versorgung der Flugzeuge sondern die Betankung der Busse zum Passagiertransport gemeint war. Irgendwie bezweifle ich das aber…

Algen bestehen zu 50% aus Öl – oder?

Tatsächlich gibt es Algen mit sehr hohen Lipidanteilen. Aber die meisten haben deutlich geringere Lipidmengen. Und diese sind auch oft nicht einfach zu extrahieren. Nicht zu vergessen dabei – oft ist der hohe Öl-Anteil mit einer geringeren Wachstumsrate erkauft, weil die Algen Energie benötigen um das Öl zu bilden. Vor allem wenn man die Algen „hungern“ lassen muss um die Ölanteile zu erhöhen, ist das Wachstum deutlich gebremst.

Von daher – fragen Sie auch ruhig mal nach den biologischen Daten, nach Wachstums-kurven und Lipiderträgen. Idealerweise über einen längeren Zeitraum. Und dann sollte man bei der Berechnung der Biokraftstofferträge auch nicht die Verluste (oder Nebenprodukte) bei Extraktion und Konversion vergessen. Spannend auch in diesem Zusammenhang die Zusammensetzung der Lipide und damit der Anteil der reell nutzbaren. Seriöse Anbieter sollte hier Antworten liefern können.

Tonnenweise Algenbiomasse – aber wann wird gewogen?

Ein Faktor der immer gerne zur Beurteilung eines Produktionssystems für Mikroalgen zitiert wird, ist der Biomasseertrag. Hier sollte man sorgfältig darauf achten, dass die Erträge an Biomasse sich dezidiert auf trockene Algenbiomasse beziehen. Sollten Ihnen die Zahlen ein wenig zu optimistisch erscheinen (so ca. um den Faktor 10) kann es sich im feuchte Algenmasse handeln. Branchenüblich sind allerdings Angaben der Trockenmasse. Wer ohne deutliche Kennzeichnung feuchte Biomasse ausweist kennt sich entweder nicht aus, oder versucht bewusst zu täuschen. Beides keine guten Voraussetzungen für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit.

CO2 neutraler Treibstoff aus Algen – und das ganz ohne Sonnenlicht!

Tatsächlich kann man Algen ohne Licht züchten. Zumindest einige Arten. Dabei werden energiehaltige organische Substanzen „verfüttert“ (z.B. Glukose). Das amerikanische Unternehmen Solazyme gehört zu den Anwendern dieser sogenannten heterotrophen Zucht. Es ist möglich mit dieser Technologie große Mengen sehr lipidreicher Algen züchten. Was aber vielen Interessenten nicht bewusst ist – bei dem Prozess wird CO2 freigesetzt. Gebunden wird CO2 nur sehr indirekt über den verfütterten Zucker. Dieser wird (zumindest aktuell) noch konventionell über Zuckerrohr etc. erzeugt. Damit verliert man die Vorteile, die Algen als phototrophe Primärproduzenten von Biomasse aufweisen… Kurz gesagt – wenn Ihr Unternehmen sich aus CO2-politischen Gründen mit der Algenbiotechnologie auseinander setzen möchte, sind Sie wahrscheinlich besser bei Technologien aufgehoben, die auf eine phototrophe Biomasseproduktion aus Mikroalgen setzen. Diese findet in Open Ponds oder Photobioreaktoren statt.

Düngerkosten vergessen wir, die Algen wachsen im Abwasser!

In Hinblick auf die ökonomische und ökologische Sinnhaftigkeit der Algenproduktion werden gerne Konzepte angedacht, in denen der teure und oft CO2-bilanziell bedenkliche Dünger ersetzt wird. Tatsächlich sind Algen in der Lage, Stickstoff und Phosphat aus Abwässern zu filtern und auf dieser Basis zu wachsen. Ein gutes Argument, in den Kalkulationen die Kosten für Dünger zu streichen, oder?

Leider ist der Ersatz von Dünger durch Abwässer aktuell eher ein spannendes Forschungsthema als industrielle Realität. Man sollte auch bedenken, dass biologische Systeme die konstant eine hohe Biomasseproduktion leisten sollen, üblicherweise auf die optimalen Parameter eingestellt werden. Hier erscheint es wenig sinnvoll, Abwässer mit schwankenden Qualitäten einzusetzen. Auch die Kontaminationsgefahr ist zu beachten – Bakterien sind üblicherweise das letzte was Sie sich in der Algenkultur wünschen.

Last but not least – Finger weg, wenn die Nutzung von Abwässern in Zusammenhang mit Algen für Futtermittel genannt wird. Wenn die gefütterten Tiere für den humanen Verzehr gedacht sind, ist der Einsatz von Abwässern ausgeschlossen, da verstehen deutsche Behörden keinen Spaß (zumindest noch nicht).

 

Diese fünf sind natürlich nur einige der Aspekte die es zu Bedenken gilt. Ein Engagement in der Algenbiotechnologie ist aktuell nicht einfach zu gestalten, analog zu allen neuen Hoch-Technologien. Sich Wissen um die entscheidenden Parameter anzueignen ist unerlässlich, zumal sich dubiose Gestalten in der Szene tummeln und auf die Unwissenheit argloser Investoren bauen. Hier gilt es vorsichtig zu sein!

Zum Abschluss noch ein letzter Tipp: Wenn Sie eine Algenzucht aufbauen wollen, starten Sie Vorort erst mit einem kleinen Projekt um die Bedingungen zu sondieren und auf Basis der Messwerte weitere Schritte zu planen. Seriöse Partner werden dieses Vorgehen begrüßen!

Die Tipps sind nichts Neues für Sie? Vielleicht möchten Sie sich dann über Geschäftsmodelle in der Algenbiotechnologie informieren oder erfahren wie man am besten Investoren überzeugen kann?

 Picture Credit: SalFalko via Flickr

 

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