Alle Jahre wieder… Bundesalgenstammtisch 2015

Das alljährliche Treffen der deutschsprachigen Algenszene fand dieses Jahr in München statt. Mit dabei: spannende Vorträge, internationale Beteiligung und eine Algendisko. Aber auch klare Aussagen zum zukünftigen Engagement bedeutender Konzerne. Mittlerweile ist die Veranstaltung etabliert und tatsächlich zu so etwas wie einem Stammtisch geworden – die heftigen Diskussionen der Vergangenheit sind einem brüderlichen Schulterklopfen der Akteure gewichen.

Auch dieses Jahr bleibt alles wie es ist. Der Bundesalgenstammtisch ist das Treffen der deutschen (und deutschsprachigen) Algenszene. Ein Event, auf dem man sich in aller Ruhe mit alten Bekannten und ein paar neuen Gesichtern auf den Stehtisch stützt und ein Schwätzchen hält. Dazwischen gibt’s dann auch noch ein paar Vorträge, die gemeinhin mit Interesse verfolgt werden.

Die Auswahl der selbigen fand ich dieses Jahr durchaus gelungen, nicht zuletzt auch, weil Firmen wie Reliance und Joule Einblicke in ihre Tätigkeiten gegeben haben. Ausgesprochen spannend, aber auch intensive Diskussionen der Teilnehmer im Nachgang zur Präsentation von Joule konnten das Geheiminis nicht lüften, wie viel an dem Unternehmen wirklich dran ist. Fakt ist: Zweifel bleiben. Sehr interessant auch der Einblick in die Aktivitäten von Reliance. Kurz zusammengefasst – die meinen das ernst mit den Kraftstoffen aus Algen.

Viel Hoffnung wurde vom Publikum auf Details zu den Leistungen der PBRs aus dem „Aufwind-Projekt“ gelegt. Aber – die spannenden Daten wurden nicht Preis gegeben und die Verschwiegenheit auch unter hartnäckigem Beschuss des Publikums gewahrt. Tapfer! Wir müssen uns hier also noch ein wenig gedulden…

Die Airbus-Algendisko

Mit Spannung wurde von vielen Teilnehmern die Führung im Algenhaus auf dem Airbus-Gelände in Ottobrunn erwartet. Ich würde Ihnen gerne ein paar Fotos dazu präsentieren (auch von dem geselligen Abend-Event), aber fotografieren ist auf dem Anwesen des Konzerns nicht erlaubt. Ich frage mich, ob es etwas zu verbergen gibt, von dem die NSA noch nichts weiß? Oder sind es nur die tristen Beton-Fassaden, die nicht so recht zum hübsch aufpolierten neuen Logo passen wollen? Na, wie auch immer. Keine Bilder. Aber auch so kann ich Ihnen verraten, dass der Neubau mit modernster Klima- und LED-Technik gespickt ist und damit jede gewünschte Klimazone auf der Erde simulieren können soll. Interessanter Ansatz, von dem wir sicher noch mehr hören werden.

Leider will die schöne neue Algenwelt auf dem Airbus-Campus nicht so recht zu den strategischen Vorgaben des Top-Managements passen. Diese wollen sich (ebenso wie Linde) in Sachen Algen eher zurückhaltend und beobachtend verhalten. Nachvollziehbar, aber dennoch schade für eine aufkeimende Branche, die den Rückhalt und die Erfahrungen der Großindustrie gut gebrauchen könnte.

Nicht zu vergessen…

Gemeinhin wird gewarnt, dass das Internet nicht vergisst. Ich durfte lernen, dass die Leser des AlgaeObservers dies ebenfalls nicht tun. Auf dem Kongress wurde ich an eine Formulierung erinnert, die ich in einem Artikel im Jahre 2013 verwendet habe. „… Dabei etabliert sich scheinbar ein neues Geschäftsmodell in der Algenbiotechnologie – der Vortragsreisende…“. Eine gute Gelegenheit, meine damalige Kritik an den Algen-Kongressen nochmal auf Gültigkeit zu prüfen.

Um es kurz fassen: Der Event-Markt hat sich ein wenig konsolidiert (z.B. in Form der ALGAE EUROPE, die 3 Events kombiniert) und die Zahl der Akteure scheint zu wachsen. Damit entspannt sich die Gemengelage aus meine Sicht ein wenig, und das Geschäftsmodell des Vortragsreisenden scheint weniger lukrativ. 😉

Was bisher noch nicht zu finden ist, sind innovative Ansätze, die die Algen-Kongresse auflockern und mehr Nutzen für die Teilnehmer schaffen. Ein Beispiel ist hier auch der Bundesalgenstammtisch – alt bewährt, aber ohne jegliche Veränderung. Hier ist noch Luft nach oben, wenn es das Konzept zulässt. Das gilt allerdings auch für die meisten anderen Kongresse.

Es bleiben Fragen…

…die sich auch nach einige Besuchen des Bundesalgenstammtisch noch nicht klären lassen konnten. Vor allem die dringlichste: Was sind denn eigentlich „Bundesalgen“- und wie viele haben sich zu diesem Stammtisch eingefunden?

Liebe Stamm-Sammler, Algen-Selektierer und Phyco-Prospektoren – erhellen Sie mich gerne mit Ihren Kommentaren (s.u.), falls Sie eine entsprechende Spezies identifizieren konnten. Vielleicht gibt es Sie ja tatsächlich, die „Chlorella bundesalgenii“? Wenn nicht, rufe ich zu einer entsprechenden Widmung auf. Dann hat sich diese Diskussion auch erledigt. 😉