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Erfolgsfaktoren für Algen-StartUps

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Erfolgsfaktoren für Algen-StartUps

Wenn wir die Algenbranche betrachten, gibt es bisher nur wenige Unternehmen, die ein erfolgreiches Geschäftsmodell im Bereich der modernen Algenbiotechnologie betreiben und heute wirtschaftlich tragfähig sind. In den folgenden Absätzen möchte ich auf ein paar Punkte eingehen, die aus meiner Sicht beim Aufbau einer Unternehmung in diesem Bereich hilfreich sein können.

Die Unternehmen, die heute bereits positive Zahlen schreiben, finden sich oft im Bereich der Produktion hochwertiger Produkte und Feinchemikalien. Astaxanthin und Omega3-Fettsäuren sind aktuell gefragt, Marktanalysen zeigen ein hohes Potential für diese Substanzen. In Zeiten steigender Preise und wachsender Märkte, konnten hier in den letzten Monaten Geschäftsübernahmen durch Risikokapitalgeber und strategische Investoren gehäuft beobachtet werden. Ein klares Signal, dass vor allem bei den großen Konzernen hier die Marktposition durch Zukauf, oder durch Joint-Ventures gestärkt werden sollte.

Auf der anderen Seite stehen viele innovative Unternehmungen aus der Algenbiotechnologie noch am Anfang Ihrer Entwicklung. Einige mit viel (Risiko-) Kapital im Rücken, andere ohne große finanzielle Ressourcen. Hier gilt es noch sich zu beweisen. Und es sei gesagt: viel Risikokapital, gutes Marketing, ein interessanter Businessplan und guter politischer Rückhalt müssen nicht zwingend zum Erfolg führen, wenn das Potential der entwickelten Technologie falsch eingeschätzt wurde. Wahrscheinlich werden wir das bei Greenfuel nicht zum letzten Mal gesehen haben, immerhin $70 Mio. wurden hier verbrannt.

Ich denke es gibt einige Faktoren, die es ermöglichen die Wahrscheinlichkeit für den Erfolg des eigenen Unternehmens zu verbessern. Diese sind sicherlich kein Geheimnis, aber ein paar davon im Folgenden mal explizit aufgeführt:

Solide Technologie

Auf die Gefahr hin mich zu wiederholen: nur allzu gerne werden die Herausforderungen der Produktion von Mikroalgen unterschätzt. Wer denkt, dass man in jedem Bottich Mikroalgen züchten kann um Biokraftstoffe zu gewinnen, ignoriert die Heerscharen an Wissenschaftlern und Jahrzehnte an Forschung in diesem Bereich. Sorgen Sie dafür, dass Sie entweder funktionstüchtige (informieren Sie sich sorgfältig!) Technologie einkaufen, oder eine hervorragende Forschung und Entwicklung mit einem marktreifen Produkt haben. Nicht umsonst können wir bis heute keinen Algensprit tanken.

Entscheidende Punkte in der Zuchttechnologie, sind die Investitions- und laufenden Kosten bezogen auf das Endprodukt. Wenn man die gesamte Wertschöpfungskette abdecken möchte, sollte man auch die Kosten im Downstream nicht aus den Augen lassen. Weitere Faktoren die es z.B. bei einem Photobioreaktor zu beachten gilt sind: ScaleUp-Fähigkeit (Kann ich damit kosteneffizient auch mehrere Hektar bewirtschaften?), Haltbarkeit (Wie lange hält das Material bis es ausgetauscht werden muss?), Reinigung (Wie häufing muss ich die Produktion abbrechen um den Reaktor zu reinigen?) und viele mehr.

Stabile Konsortien und Fördergeld

Wenn man sich den Markt anschaut, sind es meistens die Unternehmen die erfolgreich agieren, die es geschafft haben ihre F&E in interdisziplinären Konsortien zu realisieren. Suchen Sie sich Partner an Universitäten und Forschungseinrichtungen die zu Ihnen passen und die relevante Fragestellungen bearbeiten können. Damit haben Sie auch die Möglichkeit Fördergelder einzuwerben und Ihr Budget zu schonen. Fördermittelanträge sind kein Spaß (ich weiß das!) aber die zeitliche und nervliche Investition lohnt sich. Vor allem bei den ersten Schritten in Richtung Markt, kann damit auch durchaus das Risiko der Technologieentwicklung minimiert werden. Und wenn Sie dann mal gute Mitarbeiter brauchen, haben Sie sicher schon eine Menge interessierter Anwärter aus den Einrichtungen mit denen Sie gearbeitet haben.

Algenbiotechnologie ist eine Plattformtechnologie

Kennen Sie den Ausdruck Flamingo-Unternehmen? Nein? Fragen Sie mal den netten Risikokapitalgeber von nebenan. Der hat damals beim Platzen der Biotech-Blase mit solchen Firmen sein Geld verbrannt und will Ihnen deswegen heute keines mehr geben. Der Ausdruck bezieht sich auf Unternehmen, die sich auf ein einziges Produkt fokussieren, sozusagen auf einem Bein stehen. Da haben Sie mit der Algenbiotechnologie allerdings einen Jackpot gelandet. Aus Algen kann man einiges machen. Kluge Unternehmen bauen sich eine Portfolio auf: Biokraftstoff und Bioplastik (in 10 Jahren), Protein für Tierfutter (in 5 Jahren), Protein für Menschen (in 3 Jahren), Spezial-Öle (in 2 Jahren), Omega3 Fettsäuren (morgen) und Substanzen für die Kosmetikindustrie (heute). Alles auf einmal anzufassen erscheint schwierig, aber wenn Kraftstoff Ihr Ziel ist, werden Sie wahrscheinlich auf dem Weg dahin finanziell verhungern. Es macht Sinn entlang des Weges zum Algenkraftstoff ein bisschen CashFlow zu generieren. Und das ermöglichen die Hochwertstoff-Märkte. Zumindest sollte diese strategisch mal in Erwägung gezogen werden. Auch hier lohnt es sich über geeignete Partnerstrukturen nachzudenken um effektiv und kosteneffizient auf verschiedenen potentiellen Märkten präsent zu sein. Sie werden sehen – mit einem schlüssigen Konzept, das die Algenbiotechnologie als innovative Plattformtechnologie etabliert, könnte bei den Investoren durchaus Interesse geweckt werden.

Bedarfsorientiertes Handeln – der Blick auf den aktuellen Markt

Was darf ein Liter Algenkraftstoff kosten? 1,5 Euro wie an der Tankstelle? Falsch, genau so viel wie der Markt bereit ist zu zahlen. Und der Markt ist heute nicht die Tankstelle, sondern alle die Unternehmen, die sehr gerne mal mit ein paar (hundert) Litern Tests fahren wollen. Wenn Sie also in der Lage sind dem Markt Algenöl oder Algenkraftstoff zur Verfügung zu stellen, werden Sie erstaunt sein, was für Preise Sie erzielen können. Gehen Sie ruhig davon aus, dass für die auf dem Markt eingesetzten Algenkraftstoffe immense Summen gezahlt wurden. Und sei es auch unter dem Deckmantel von geförderten Projekten, die das Ziel hatten Algenkraftstoff zu erzeugen. Ich bin mir auch sicher, dass hier der eine oder andere Liter Speiseöl seinen Wert und seine offizielle Deklaration bis hin zum Endabnehmer deutlich geändert hat. Sollte ich Sie damit auf Ideen gebracht haben – vergessen Sie es lieber gleich, es gibt Methoden solchen Schwindel aufzudecken.

Think Big, Act Fast

Zum einen sollten Sie ein Vision mitbringen, die einer HighTech-Schmiede würdig ist, zum anderen scheuen Sie sich nicht auch Große Partner mit ins Boot zu holen. Große Visionen begeistern Mitarbeiter und Kapitalgeber, namenhafte Partner ebenfalls. Schmücken Sie sich ruhig mit den Federn Ihrer Partner, das zieht weitere Interessenten an. Eine Kooperation mit einem mächtigen Konzern wird durchaus als Gütesiegel für Ihr Unternehmen gewertet und weitere potentielle Partner tendieren (ein bisschen) dazu sich auf den „First Mover“ zu verlassen. Entsprechend darf hier auch dezent die Werbetrommel gerührt werden…

Diese Prinzip können Sie dann zum Beispiel auch für Ihre erste große „Product Release Party“ anwenden. Sorgen Sie dafür, dass ein paar VIPs definitiv kommen und lassen Sie das gezielt vor Versand der Einladungen durchsickern. Sie werden sich wundern, wie viele Leute plötzlich Zeit haben dem Event beizuwohnen und Ihre Einladung nicht gleich in der Restablage entsorgen. Und wenn Sie schon mal dabei sind, sorgen Sie dafür, dass ausreichend Presse und Journalisten eingeladen sind. Viele werden nicht kommen, aber deswegen haben Sie ja allen versprochen Ihnen Texte und Bilder zum Event noch am frühen Morgen und im praktischen Word-Format zukommen zu lassen…

Und wenn Ihnen dieser Blog-Post irgendwie weiter geholfen haben sollte – laden Sie mich auch gerne zur Party ein! 🙂

 

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