Euglena – the next big thing?

Euglena ist ein spannender Organismus, der in der Algenbiotechnologie allerdings aktuell keine größere Beachtung erfährt. Die Idee, Kraftstoffe aus Euglena herzustellen, ist (wie auch entsprechende Ansätze mit anderen Algen) noch recht weit von der ökonomischen Machbarkeit entfernt. Interessanter ist da ein chemischer Inhaltsstoff, der als Immunstimulanz wirken soll, und damit auf reges Interesse bei den Großen der Feinchemikalien-Branche stößt.

Das Augentierchen Euglena ist in der Algenbiotechnologie scheinbar nicht sehr nachgefragt. Nur wenige Unternehmen kultivieren diesen Organismus. Dennoch verfügt Eulgena über interessante Inhaltstoffe und Eigenschaften, die auch in aktuellen Forschungsaktivitäten näher betrachtet werden. Eine Zulassung für den US-Markt ist dieses Jahr erfolgt und ein japanisches Unternehmen will Biokraftstoff aus Euglena herstellen. Grund genug, sich das industrielle Potential dieser Spezies einmal näher anzusehen.

Was ist Euglena?

Euglena ist ein einzelliger Geißelträger und umfasst ca. 40 Gattungen und 800 Arten. Die meisten Arten enthalten Chlorophyll und sind photosynthetisch aktiv, aber es gibt auch Spezies, die sich heterotroph ernähren oder beide Stoffwechselwege beherrschen (mixotroph). Das bevorzugte Habitat ist Süßwasser, nur wenige Spezies existieren in Salzwasser. Was Euglena so besonders macht, ist die Kombination von pflanzlichen und tierischen Eigenschaften in einem Organismus. Für mehr Details dazu verweise ich der Einfachheit halber mal auf Wikipedia, da dies den Rahmen des Artikels sonst sprengen würde…

Wo kann Euglena industriell eingesetzt werden?

Aktuell werden in der Forschung verschiedene Anwendungsmöglichkeiten für Euglena untersucht. Einige Ansätze beschäftigen sich dabei mit der Fähigkeit zur Reinigung von Abwässern oder der heterotrophen Zucht auf Basis von Reststoffströmen wie z.B. Kartoffelfruchtwasser.

Interesse besteht aber vor allem an den Inhaltsstoffen wie Paramylon (β-1,3-Glucan), die in verschiedenen Studien speziesübergreifend auf imunmodulatorische Effekte geprüft wurden. Hier wurden positive Auswirkungen unter anderem in der Aquakultur identifiziert.

Die Option zur Nutzung des Ölanteils von Euglena für Biokraftstoffe wird ebenfalls in Betracht gezogen, dies vor allem in Japan mit dem Ziel, bis zur Olympiade in Tokyo 2020, einen Kraftstoff auf den Markt zu bringen.

Im asiatischen Raum werden schon heute Euglena-Präparate und funktionelle Lebensmittel angeboten. Dazu gehören Tabletten und Pulver, aber auch Getränke und Kekse. Letztere werden, da sie Vitaminmangel vorbeugen,  in die Ernährung von Schulkindern in Bangladesch integriert.

Das Marktpotential von Euglena

In Japan wurde publikumswirksam eine Kooperation zwischen den Firmen Euglena Ltd.  und Isuzu geschlossen, mit dem Ziel, Euglena-Biomasse zu Biodiesel zu verarbeiten.

Sicher ist dies eine Option, allerdings denke ich, dass hier (wie in der phototrophen Algenbiotechnologie generell) eine wirtschaftliche Produktion von Biokraftstoffen noch etwas Zeit benötigt.

Auch die Abwasserreinigung mit Euglena ist zwar interessant, aber das aktuelle Potential liegt in den hochwertigen Inhaltsstoffen. Heute wird Euglena vornehmlich auf den asiatischen Märkten in funktionellen Lebensmitteln eingesetzt. Hier liegen wohl die aktuellen Vermarktungschancen des Augentierchens. Allerdings sind Markterfolge im asiatischen Raum auf Grund der unterschiedlichen Ernährungsweisen nicht einfach auf westliche Märkte zu übertragen.

Vor allem interessant für die Ernährungsindustrie sind aber die Eigenschaften des Reservestoffes Paramylon. Paramylon kann auf Basis seiner Eigenschaften sehr gut als Nahrungsergänzungsmittel verkauft werden. Wie meist bei neuen Trends in diesem Sektor, sind hier (neben Japan) die ersten Aktivitäten in den USA zu finden. Die FDA hat in 2014 die Unbedenklichkeit von Euglena gracilis Biomasse festgestellt und damit den Weg zur Vermarktung eröffnet.

Aktuell zähle ich weniger als 10 Unternehmen, die (nach außen sichtbar) aktiv mit Euglena arbeiten. Interessanterweise finden wir unter den Unternehmen auch solche, die durch strategische Partnerschaften und Finanzierungen eng mit Unternehmen der chemischen Industrie verbunden sind.

Von daher stellt sich sicher die Frage, ob das Potential von Euglena heute noch ein Geheimtipp ist, aber morgen vielleicht schon „the next big thing“? Was denken Sie?

Bild: Cercaria viridis (= E. viridis) von O.F. Müller’s Animalcula Infusoria, Public Domain