IGV Photobioreaktoren: Ende der Produktion

Das IGV (Institut für Getreideverarbeitung) in Nuthetal beendet die Produktion von Photobioreaktoren und schließt damit den Bereich IGV Biotech. Das ist einer Pressemeldung zu entnehmen, die das Unternehmen kürzlich herausgegeben hat. Weitere Aktivitäten im Bereich Algen, wie die Entwicklung und Produktion funktioneller Extrakte, bleiben erhalten und werden in den Bereich „FOODTECH“ des IGV eingliedert.

Mit dem kurzen Satz in einer Pressemitteilung „Das Geschäftsfeld IGV BIOTECH Photobioreaktor-Anlagenbau wird (…) eingestellt“ läutet das Institut für Getreideverarbeitung im Juli das Ende eines seit fast 30 Jahren bestehenden Geschäftsfeldes ein. Die Entscheidung des Managements basiert dabei auf einer Reaktion auf aktuelle Marktentwicklungen.

Wer sich in der Algenbiotechnologie bewegt wird unweigerlich auf das IGV stoßen. Ich denke, man liegt nicht falsch, wenn man das IGV zu den Pionieren der Algenbiotechnologie in Europa zählt. Die tubulären Photobioreaktoren des IGV findet man in vielen Firmen und Labors auf der Welt.

Der Leiter des Biotechnologie-Bereichs und Mitgesellschafter des Instituts, Herr Prof. Pulz, verließ das Unternehmen bereits vor einiger Zeit. Ein schlechtes Omen? Wie es scheint, ja. So sehr ich es bedauere das IGV als einen der Pioniere im Bereich der Entwicklung von Photobioreaktoren abtreten zu sehen, ist es doch ein Zeichen, dass sich der Markt weiter entwickelt hat und sich die Geschäftstätigkeiten des IGV im Bereich der Algenreaktoren scheinbar leider nicht mehr als rentabel erwiesen.

Der Röhrenreaktor – ein Auslaufmodell?

Lässt die Entscheidung des IGV Managements den Schluss zu, dass die vergleichsweise teuren Röhrenreaktoren nicht mehr zeitgemäß sind? Ich denke nicht. Wenn man die aktuelle Marktsituation betrachtet, sind viele Zuchtsysteme entwickelt worden, die vor allem auf günstige Komponenten (z.B. Kunststoff statt Glas) setzen. Aktuell werden mit der Kultivierung von Mikroalgen allerdings vor allem die Märkte für hochwertige Produkte bedient. Hier sind schlagen die primären Investitionskosten nicht ganz so stark zu Buche, viel mehr sind Anlagen gefragt die ggf. auch den hohen Anforderungen der pharmazeutischen Industrie an eine Produktionslinie gewachsen sind.

Hier und auch im Bereich der Lab scale Photobioreaktoren liegen sicherlich Marktchancen für Röhrenreaktoren. Vor allem, da sich die Produkte aus Algen langsam in verschiedensten Endprodukt-Märkten etablieren und der Gesamtmarkt wächst.

Was waren die Gründe für die Abkehr von der PBR Produktion?

Ich kann selbstverständlich nur spekulieren, aber in der Zeit in der ich das IGV kenne, war aus meiner Sicht zu wenig Wert auf Marketing und Vertriebsaktivitäten gelegt worden. Wahrscheinlich auch historisch bedingt, denn das IGV ist (wie der Name „Institut für Getreideverarbeitung“ schon sagt) aus der Forschung hervorgegangen und pflegt intern eine Forschermentalität. Sicherlich ein Plus in der Entwicklung und Forschung an den Reaktoren und Mikroalgen, allerdings eher schwierig für eine gewinnorientierte GmbH…

In der besagten Pressemeldung wird das Thema von der neuen Geschäftsführung auch offensiv angegangen „Gleichzeitig sollen die Marketing-, Vertriebs- und Verwaltungsfunktionen an die nationale und internationale Marktdynamik angepasst werden“.

Schade, dass es das IGV nicht geschafft hat die Pole Position, die es meiner Meinung nach über lange Zeit gehalten hat, über die Jahre zu verteidigen. Tröstlich ist, dass durchaus noch Algenaktivitäten am IGV bleiben und ich mir sicher bin, dass tubuläre Photobioreaktoren nicht verschwinden werden. Die Marke „IGV Photobioreaktor“ und deb Bereich IGV BIOTECH werden wir zukünftig nicht mehr finden, die Technologie wird aber sicherlich nicht aussterben.

Bild: „Photobioreactor PBR 4000 G IGV Biotech“ von IGV BiotechEigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.