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Kommentar zu “Heilsames Greenwashing”, Frank Wiebe, Handelsblatt.com 12.02.2012

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In seinem Artikel beleuchtet Frank Wiebe die Praxis von Großkonzernen mit grünen Projekten und Maßnahmen zur Steigerung der Nachhaltigkeit die Verbrauchermeinung zugunsten der jeweiligen Firma zu beeinflussen. Final ruft er dazu auf, nicht alle Projekte pauschal als “green washing” zu verurteilen um Chancen zu wirklichen Veränderungen zuzulassen.

Was tun also diese Firmen? Im Grunde dreht es sich dabei um gezieltes Reputations- management der Konzerne, die zunehmend mit aufgeklärten und kritischen Verbrauchern rechnen müssen. Interessant ist, dass das erste Bild im Artikel die Algenanlage des RWE Konzerns in Niederaußem zeigt. Diese Anlage ist nicht der einzige Photobioreaktor an einem Kraftwerk in Deutschland, geschweige denn weltweit. Vattenfall, E.ON, EnBW – alle haben ein oder mehrere Projekte mit Mikroalgen. Ob die Aufwendungen für ein solches Projekt aus dem Marketing- oder aus dem Forschungsbudget kommen, wird sicher nicht offen gelegt werden. Erfahrungen zeigen, dass wahrscheinlich ersteres der Fall ist.

Für den informierten Verbraucher mag das in erster Linie nach einer krummen Tour aus- sehen, zumal keiner der Energiebetreiber ernsthaft davon ausgehen kann, hier in Deutschland Kraftwerke CO2-frei zu bekommen. Um das zu erkennen, braucht es kein allzu tiefes Fachwissen in der Algenbiotechnologie. Dennoch habe ich das Gefühl, dass implizit dieser Eindruck erzeugt werden soll. Stellt sich die Frage ob wir hier tatsächlich von einer Täuschung des Verbrauchers oder der Öffentlichkeit ausgehen können?

Mal ein Perspektivwechsel

Wenn wir die Aktivitäten der Energieriesen (und anderer Konzerne) mal aus der Perspektive der noch jungen Algenbiotechnologie betrachten, stellt sich ein anderes Bild dar. In den Projekten werden dringend notwendige Finanzmittel zur Verfügung gestellt, um ver- schiedenste Fragestellungen zu erforschen. Ohne entsprechende Projekte wäre hier in Europa ein Vorankommen der Mikroalgenforschung noch schwerer, als es ohnehin schon ist. Im Vergleich zu den USA sind die Unternehmen und Forschungseinrichtungen hierzulande chronisch unterfinanziert und der Weg über die Forschungsförderung lang und schwerfällig. Da hilft ein bezahlter Photobioreaktor, den man unter reellen Bedingungen mit Rauchgas testen kann, schon sehr weiter – finanziell und auch forschungsseitig.

Zurück zur Sicht des Verbrauchers…

… und weg vom Beispiel der CO2-Abscheidung mit Algen, denn auch wenn wir die Kraftwerke hier in Deutschland damit nicht wirklich sauber bekommen – als Lieferant für CO2 und Wärme in der Algenproduktion können sie immer noch dienen (und das nicht zu knapp). Die von Herrn Wiebe dargestellten Bemühungen, auf eine nachhaltige Produktion entlang der Wertschöpfungskette zu achten, gibt es auch in der Algenbiotechnologie. Gerade beim Thema Kraftstoffe aus Algen (Algenbiodiesel, Algenkerosin) wird von Konzernen die sich damit auseinander setzen viel Wert darauf gelegt ein Life Cycle Assesment durchzuführen, um die CO2-Bilanz des Biokraftstoffes im Auge zu behalten. Unbestritten der Tatsache, dass wir zum aktuellen Zeitpunkt sicherlich noch nicht soweit sind Algensprit zu tanken, erhöht dies den Druck auf alle Teilnehmer in den einzelnen Prozessen. Und nur so kann irgendwann eine wirkliche Nachhaltigkeit realisiert werden. Das wissen auch die zukünftigen Anbieter und Großverbraucher der Algenkraftstoffe

Von daher stimme ich mit Herrn Wiebe überein: einige Unternehmen haben gelernt und verstanden, dass man sich im Zeitalter leicht verfügbarer Informationen besser eine solide Basis für die schicken Bildchen schafft. Eine klare Verbrauchertäuschung wäre für mich erst dann der Fall, wenn mit eindeutig falschen Aussagen gearbeitet wird. Ein bisschen Klappern gehört für mich aber einfach zum Handwerk, allerdings in Maßen.

Ich denke, spätesten nach dem Fall von ExxonMobil die Ihre Werbung in England zurückziehen mussten, sind die Marketingabteilungen gewarnt, es nicht zu übertreiben.

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