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Kommentar zum 5. Bundesalgenstammtisch

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Der 5. Bundesalgenstammtisch hat am 26. und 27. März bei der Linde AG in Pullach bei München stattgefunden. Wieder hat sich eine bunte Mischung aus Akademia und Industrie getroffen um im offenen Austausch die Fortschritte im Bereich der Algenbiotechnologie zu diskutieren. Auch Gäste aus den USA fanden sich auf der Vortragsliste und zeigten im Zuge der Veranstaltung deutlich die Unterschiede zwischen den Kulturen auf.

Vor allem dies trat für mich in der Veranstaltung deutlich zu Tage. Firmen wie Sapphire Energy und Algenol sind mittlerweile zig Millionen schwer und haben natürlich damit einen anderen Auftritt als die (ärgerlicherweise) unterfinanzierten Unternehmen und Forschungsgruppen in Deutschland. Dennoch ist für mich wieder deutlich geworden, wie groß die Unterschiede in der Herangehensweise an Problemstellungen sind. Um es auf einen Punkt zu bringen: In Amerika glaubt man an eine Vision und dass sich Probleme auf dem Weg lösen lassen, in Deutschland löst man gerne zuerst alle Probleme, bevor man sich zu positiven Aussagen hinreißen lässt.

In dieser Sache schlagen zwei Herzen in meiner Brust, einerseits bin ich kein Freund von leeren Marketing-Versprechungen, andererseits tut man sich sicher schwer, Investoren zu überzeugen, wenn man vor lauter Herausforderungen das große Ziel nicht mehr sieht. Ich weiß, dass es in Deutschland hervorragende Technologien entlang der Wertschöpfungskette der Mikroalgen gibt. Es wäre eine Schande, wenn wir dieses technologische KnowHow ein Schattendasein fristen ließen!

Die Herangehensweise der US-Unternehmen resultiert auch in Geschäftsmodellen, die gefährlich für die aktuellen Tendenzen in der europäischen Algenbiotechnologie sind. Auf dem Weg zur energetischen Nutzung der Algen, werden im Zuge der reifenden Technologien auch die Hochwertstoff-Märkte bedient werden. Bestes Beispiel dafür ist Solazyme. Hierzulande sind aber gerade diese Märkte im aktuellen Fokus der Bemühungen, da sie kurzfristig mit den aktuellen Technologien erreichbar scheinen. Auch das wurde während des Bundesalgenstammtisch deutlich. In der resultierenden Konkurrenzsituation ständen dann millionenschwere, VC-gestützte US-Unternehmen gegen ambitionierte Algen-Start Ups…

Auch EADS präsentierte seine aktuellen Ansätze zur Unterstützung der europäischen Algenbiotechnologie. Im Gegensatz zu den sehr konkreten ersten Bemühungenin diesem Bereich, wurde deutlich, dass sich die weiteren Aktivitäten eher auf einer anderen Ebene abspielen werden. Im Zuge der zunehmenden Herausforderungen für die Luftfahrt, hat sich reflexartig ein Lobbyverband, äh… Verein gegründet, der u.a. die Kommunikation der Luftfahrtindustrie in Sachen Biofuels koordinieren soll. Da im Bereich der Biokraftstoffe aus Algen keine gemeinsame Interessensvertretung (zumindest speziell für Deutschland) existiert, mag hier ein erster Schritt als gemeinschaftsbildende Maßnahme getan sein, wer weiß.

Es gäbe noch viel zu schreiben aber ich will es zunächst hierbei belassen. Bleibt vielleicht noch zu erwähnen, dass mit zunehmender Dichte der einschlägigen Events der Gehalt an relevanten Neuigkeiten pro Veranstaltung ein wenig abnimmt. Dafür scheint mir das Bedürfnis zum Austausch und zum Networking unvermindert. Vielleicht bietet das auch Ansatzpunkte für neue Veranstaltungsformate, die einen transdisziplinären Austausch und ein geselliges Networking befördern (falls dies jemand lesen sollte, der demnächst ein Algen-Event plant…).

Spannend bleibt auch, wo der 6. Bundesalgenstammtisch 2013 stattfindet. Vielleicht wird das Sponsorenkonzept beibehalten und ein Treffen findet bei einem der aktiven Unternehmen der Algenbiotechnologie statt?

Bleibt mir noch auf den Artikel von Martin Pohle zu verweisen, der auf seinem Blog tecspec ein persönliches Wrap-Up des Federal Algae Roundtable gibt.

 

 

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