Kunststoff aus dem Photobioreaktor

EVN Photobioreaktor mit AlgenZiel des Forschungsprojekts, das unter der Leitung der EVN gemeinsam mit der Universität für Bodenkultur in Wien und dem Anlagenbauer Andritz durchgeführt wird, ist es ein neuartiges, nachhaltiges und umweltfreundliches Verfahren zur Produktion von Biokunststoff zu entwickeln.

Seit 2011 betreibt EVN gemeinsam mit dem Anlagenbauer Andritz eine Versuchsanlage mit der Kohlendioxid (CO2) aus dem Rauchgas des Kraftwerks in Dürnrohr separiert und in Flaschen abgefüllt wird. Ziel ist es, die CO2-Emissionen zu senken, sowie das Separationsverfahren industriell weiter zu erforschen und gleichzeitig reines CO2 für die künftige Nutzung als wertvollen Rohstoff zu gewinnen.

Kunststoff aus dem Photobioreaktor

Seit kurzem wurde das Testfeld erweitert: das abgeschiedene CO2 wird nun in einen speziellen Photobioreaktor mit Mikroalgen geleitet. Die Algen wandeln CO2 mit Sonnenlicht und Wasser zu einem Biokunststoff um. Die Mikroorganismen aus der Familie der Synechocystis salina legen je nach Nährstoffangebot Energiespeicher in Form von Polyhydroxybuttersäure PHB) an. Man kann diese Eigenschaft mit der Fettproduktion bei uns Menschen vergleichen. PHB ist ein Biokunststoff, der in seinen Eigenschaften dem weit verbreiteten Kunststoff Polypropylen (PP) sehr ähnlich ist, PP wird heute in großem Maßstab aus Erdöl hergestellt.

Ziel des Forschungsprojekts, das unter der Leitung der EVN gemeinsam mit der Universität für Bodenkultur in Wien und dem Anlagenbauer Andritz durchgeführt wird, ist es ein neuartiges, nachhaltiges und umweltfreundliches Verfahren zur Produktion von Biokunststoff zu entwickeln.

„Unser Ziel ist es, Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen zu entwickeln und die besten Anwendungsmöglichkeiten auszuloten“, fasst EVN Experte Dr. Gerald Kinger die Idee zusammen.

Denn der Kunststoff aus der Natur, der von zahlreichen Bakterienarten hergestellt und wieder abgebaut werden kann, ist ein begehrter Rohstoff. Für die nähere Zukunft schätzen Experten des Verbandes „European Bioplastics“ das Potential der Biokunststoffe auf fünf bis zehn Prozent des gesamten Kunststoff-Marktes – heute liegt ihr Anteil immer noch unter einem Prozent.

„Die technische und chemische Nutzung von CO2 kann keine globale Lösung zur Reduktion der Kohlendioxid-Emission bieten. Sie ist aber in der Gesamtstrategie des „CO2-Managements“ eine attraktive Option“, erläutert Kinger.

Während des Ausbaus von erneuerbaren Energien, ist die CO2 Abscheidung neben der Effizienzsteigerung bestehender Kraftwerke und generellen Einsparungen ein wichtiger Bestandteil, die CO2-Emissionen zu reduzieren. „CO2-Reduktion ist bei der EVN ein wichtiges Thema. EVN sieht CO2 als Herausforderung aber auch als wertvollen Rohstoff der Zukunft“ so Kinger. Das derzeitige Versuchsprogramm sieht einen Betrieb der Anlage bis zum Jahr 2015 vor.

CO2 als Rohstoff mit Zukunft

CO2 dient schon heute als Rohstoff für viele Produkte in der chemischen wie auch in der Kosmetikindustrie. Zudem wird CO2 in der Lebensmittelbranche (Limonaden, Mineralwasser), der Düngemittelproduktion und in Feuerlöschern eingesetzt. Zurzeit wird außerdem an Möglichkeiten geforscht, CO2 zu Biokunststoffen oder alternativen  Energieträgern umzuwandeln. Ziel dieser Forschungen ist es, durch neue nachhaltige und energieeffiziente Prozesse, die CO2 als Rohstoff einsetzen, CO2-Einsparungspotentiale zu generieren und soweit sinnvoll möglich den CO2 Stoffkreislauf zu schließen.

Quelle: EVN / Bild: G. Moser