Modellprojekt Algentechnologie entsteht in Bad Fallingbostel

Photobioreaktor SuederelbeMikroalgen spielen in der Fachwelt zunehmend eine wahrnehmbare Rolle – sei es als Rohstofflieferant für die Kosmetik- oder Pharmaindustrie, als Tierfutterzusatz oder als innovative Kraftstoffquelle. Zur Kultivierung von Mikroalgen werden Photobioreaktoren eigesetzt, die je nach Ausführung als Schlüsseltechnologie für einen innovativen Biomassekreislauf gelten. Die in Kürze auf dem Betriebsgelände der Agrar-Energie Obernhausen (AEO) in Bad Fallingbostel-Mengebostel zum Einsatz kommende Technik wird seit einigen Jahren auf dem Campus der Technischen Hochschule in Wildau (Brandenburg) erforscht.

Mit der Realisierung in dem Bad Fallingbosteler Ortsteil wird der erste Praxis-Feldversuch dieser Art jedoch in Niedersachsen in der Wirtschaftsregion Deltaland durchgeführt – initiiert und moderiert durch die Deltaland-Geschäftsstelle der Süderelbe AG sowie den örtlichen Industrie- und Wirtschaftsverein unter Beteiligung regionaler und internationaler Unternehmen. Der Kontakt zur hiesigen Region geht zurück auf eine Süderelbe AG/Deltaland-Präsentation auf einer Biotechnologie-Ausstellung in Berlin.

Ziel des Demonstrationsprojektes ist es, den Anlagenbetrieb und den damit verbundenen Algenzucht-Kreislauf unter realen Bedingungen zu testen und zu optimieren. Dabei kann die Biomasse zu unterschiedlichen Zwecken produziert werden: die Bandbreite reicht von der Option, nicht benötigte Biomasse über die Biogasanlage und das Blockheizkraftwerk (BHKW) wieder energetisch zu nutzen bis zur Durchführung von Testreihen, um in einem zweiten Schritt vermarktungsfähige Algenwertstoffe in größerer Menge zu erzeugen.

Georg Fischer Piping Systems, Schweizer Anbieter von Rohrleitungssystemen aus Kunststoff und Metall, stellt die PVC-Komponenten für den Photobioreaktor zur Verfügung, der von der niederländischen Firma LGem entwickelt wurde. Die Algen werden darin kontinuierlich bewegt, wodurch das Zusetzen des Reaktors verhindert und ein wachstumsfördernder, dauerhaft ungehinderter Lichteintrag ermöglicht wird. Um die Vermehrung der Algen in einen nachhaltigen Kreislauf einzubinden, werden CO2 und Wärme aus dem BHKW genutzt und in den Reaktor eingeleitet. Die Algenkultur bindet den Kohlenstoff für das Entstehen von Biomasse und setzt zugleich kontinuierlich Sauerstoff frei.

Während in der Forschungsanlage in Wildau das hochschuleigene BHKW genutzt wird, geht es bei dem nun in Mengebostel realisierten Feldversuch um den Anschluss an das BHKW einer realen landwirtschaftlichen Biogasanlage. Entsprechend übernimmt die AEO den Betrieb der Feldversuchs-Anlage, während die Firma Lipinski aus Dorfmark den Anschluss des Reaktors an den BHKW-Abgasstrom, die technische Installation und Wartung vornimmt.

Die wissenschaftliche Begleitung vor Ort wird durch die TH Wildau übernommen. Das Projekt, das die Stadt Bad Fallingbostel und der Industrie- und Wirtschaftsverein Deltaland ergänzend zur Eigeninvestition der beteiligten Unternehmen finanziell unterstützen, wurde auf der Hannover-Messe präsentiert (vgl. Foto).

Quelle: Süderelbe AG