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Vattenfall testet industrielle Nutzung von Oxyfuel-Kohlendioxid in Senftenberger Algenaufzuchtanlage

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Innerhalb des 2010 begonnenen Algenaufzucht-Projektes „green MiSSiON“ (Microalgae Supported CO2 Sequestration in Organic Chemicals and New Energy) testen Vattenfall und das Tochterunternehmen GMB GmbH den Einsatz von abgeschiedenem Kohlendioxid aus Braunkohlenkraftwerksprozessen zur Vermehrung von Mikroalgen-Biomasse. Ein erster Transport mit technischem CO2 aus Schwarze Pumpe hat die Algen-Forschungsanlage der Vattenfall-Tochter GMB GmbH am Standort Senftenberg erreicht. Es stammt aus der Oxyfuel-Forschungsanlage in Schwarze Pumpe, in welcher das CO2 aus Rauchgasen eines Braunkohlenkessels abgeschieden wurde.

Das Oxyfuel-Verfahren ist, vor allem mit Blick auf die sich weltweit entwickelnde Technologie der Abscheidung und unterirdischen Speicherung von Kohlendioxid (CCS), eine wichtige Option für künftige Kraftwerksprojekte innerhalb und außerhalb von Deutschland. Ein wesentlicher Baustein in der Entwicklung von CCS-Kraftwerkstechniken und der Erforschung der Verwendung des dabei abgeschiedenen CO2 ist die Erforschung von Einsatzmöglichkeiten in der Industrie.

Ein Modul der Flachplatten-Airlift-Algenanlage in Senftenberg soll von nun an gleichmäßig mit CO2 aus Schwarze Pumpe beschickt werden. Ziel ist es, nachzuweisen dass Mikroalgen dieses Kohlendioxid gut vertragen und sich davon zu verstärktem Wachstum anregen lassen. Damit wäre erstmals die stoffliche Verwertung von CO2 aus der Oxyfuel-Forschungsanlage im direkten Praxistest gelungen.

„Die gute Qualität des CO2 aus der Pilotanlage in Schwarze Pumpe gibt uns die Möglichkeit, es punktuell auch für die stoffliche Nutzung einzusetzen“, sagte Hubertus Altmann, Vattenfall-Vorstand für das Ressort Kraftwerke am Freitag. „Wir werden in der Pilotanlage keine Massenproduktion von CO2 aufnehmen, dies liegt nicht im strategischen Fokus von Vattenfall. Unser Augenmerk ist vielmehr darauf gerichtet, Forschungs- und Leuchtturmprojekte wie die Algenanlage der GMB mit CO2 zu beliefern. Damit verdeutlichen wir, dass für CO2 als ein natürliches Gas ein breites technisches Anwendungsspektrum erforscht werden soll.“

Vattenfall hat die Oxyfuel-Forschungsanlage in Schwarze Pumpe im Jahr 2008 in Betrieb genommen. Mit dieser Anlage hat das Unternehmen nachgewiesen, dass es technisch möglich ist, CO2 aus dem Rauchgas eines Kohle-Kraftwerks abzuscheiden. Beleg dafür sind über 10.000 Tonnen CO2, die seit Inbetriebsetzung der Anlage abgeschieden wurden. Die Abscheiderate beträgt dabei mehr als 90 Prozent.

Die Algenaufzuchtanlage in Senftenberg dient der Erforschung der Frage, ob Mikroalgen Braunkohlenrauchgas vertragen und durch die Aufnahme des Kohlendioxids einen Beitrag zur Reduzierung der CO2 -Emission von Braunkohlenkraftwerken leisten können. Ein zusätzlicher positiver Effekt ist dabei, dass das Algenwachstum durch CO2 und reichlich Sonnenlicht angeregt wird. Im Prozess der Fotosynthese wandeln die Mikroalgen so Kohlendioxid in wertvolle Biomasse um, die vielseitig einsetzbar ist. So hat die GMB GmbH in Kooperation mit dem Berliner Biotechnologie-Unternehmen FIM ein Verfahren entwickelt, in dem die Algenbiomasse zu einem proteinreichen Futtermittelzusatz aufbereitet wird. Weitere Verwendungsmöglichkeiten für Algenbiomasse liegen in der Pharmazie, der Kosmetikindustrie, als Nahrungsergänzungsmittel, in einer energetischen Nutzung und der Herstellung von Bio-Kraftstoff.

Quelle: Vattenfall

 

4 Comments

  1. Das freut mich zu hören, dass die Algentechnologie ausgerechnet im braunkohledominierten Brandenburg voranschreitet.

    Die CCS-Technologie hat während der vergangenen Monate in Deutschland einige Dämpfer abbekommen und deshalb ist die Kombination von der erneuerbaren Algentechnologie/ Bioenergie (Oxyfuel) und der CO2-intensiven Braunkohleverbrennung eine sehr pragmatische, aber auch innovative Möglichkeit einen ökologisch, ökonomisch und sozial verträglichen Übergang post Braunkohle zu erreichen. Mal sehen, was Vattenfall für Erfolge mit diesem Projekt erreichen kann. Ich drücke jedenfalls die Daumen!

    • Tatsächlich werden für die Erforschung und Entwicklung von Algentreibstoffen große Summen in die Hand genommen.Vor allem in den USA wird das Thema finanziell auch durch hohe Fördermittelbeträge (u.a. Verteidigungsministerium) gestützt. Auch strategische Investoren und VCs gehen hier mit hohen Millionnebeträgen in Rennen…

  2. Ich hatte die Gelegenheit einer Besichtigung der Senftenberg-Anlagen im Rahmen einer VBIW-Exkursion.
    Hier mein Bericht dazu – einschließlich der aufzuzeigenden Konsequenzen:

    http://www.biomasse-nutzung.de/energie-algen/

    … und in Weiterführung dessen:

    http://www.biomasse-nutzung.de/algenkultivierung-algenforschung-wildau/

    Es würde mich sehr mit Freude erfüllen, wenn hiermit weitere Enthusiasten auf diesem Gebiet gewonnen werden könnten. –
    Rückmeldungen bitte über die in den Links angegebene eMail-Adresse.

    Grüsse aus Berlin

    PS

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