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25 oder 5 Jahre? Wann tanken wir Algenkraftstoffe?

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Algenkraftstoff tanken

Zu welchem Zeitpunkt Kraftstoffe aus Algen tatsächlich im großen Stil verfügbar sein werden, ist ein Thema an dem sich die Geister scheiden. Gerade hat sich Exxons CEO Rex Tillerson zu Wort gemeldet und Algenkraftstoff eine generelle Machbarkeit zugesprochen, den Zeithorizont aber auf etwa 25 Jahre beziffert. Auf der anderen Seite liegt die zeitliche Schätzung von Profis aus dem Sektor in einer aktuellen Studie deutlich niedriger und in den USA gab es einen ersten Testlauf mit Algensprit an Tankstellen. Was also soll man glauben?

Gerade für den Laien ist die Situation bezüglich der energetischen Nutzung von Algen ausgesprochen verwirrend. Eine Menge Meldungen und Aussagen erreichen uns täglich, und wie zu sehen ist, treffen hier unterschiedlichste Meinungen aufeinander. Im Grunde spiegelt dass auch den aktuellen Stand der Dinge wieder.

Auf dem Markt sind verschiedene Ansätze vertreten, die aber alle bis heute noch nicht mit einer großflächigen und wirtschaftlichen Produktion aufwarten können. Entsprechend wird geschätzt – und im Bereich der biotechnologischen Entwicklung zu schätzen erfordert viel Glück, will man einigermaßen richtig liegen. Vor allem bei Technologien, die noch relativ weit vom industriellen Maßstab entfernt sind und mit den Unwägbarkeiten des Scaling Up eines biotechnologischen Prozesses konfrontiert sind.

Algenkraftstoff ist Ansichtssache

Bei der interessanten Mischung an frei verfügbaren Meinungen zum Thema, sollte man sich immer vor Augen führen, vor welchem Hintergrund Aussagen getroffen werden. Auf der einen Seite findet man eine große Portion unternehmerische Zuversicht, Marketing und Lobbyarbeit, auf der anderen Seite einen, oft akademisch geprägten, Pessimismus bezüglich der Umsetzung von Innovationen. Nicht zu vergessen natürlich die Scharlatane, die sich auf Basis schwer einzuschätzenden und vielversprechende neuer Technologien gerne ein paar Euro dazu verdienen und dafür potentielle Chancen und Profite in den Himmel loben.

Fakt ist – aus Mikroalgen können flüssige Energieträger gewonnen werden. Allerdings ist das heute nur zu einem hohen Preis möglich. Kostendeckend ist aktuell nur die Produktion von Algen für hochwertige Stoffe oder zur Nahrungsergänzung. Entsprechend vorsichtig sollten Aussagen bewertet werden, die allzu optimistisch bezüglich Energie aus Algen scheinen.

Hier zeigt sich oft ein Mangel an fundiertem Wissen bezüglich der Prozesse und bestehenden Limitierungen. Das „grüne Gold“ lockt auch Akteure, die sich ohne große Erfahrung in der Biotechnologie der Algen, auf das Parkett gewagt haben. Das sieht man auch häufig daran, dass Ansätze, die schon getestet und verworfen wurden, wieder und wieder als Innovation gepriesen werden.

Energie aus Algen braucht Innovationen

Dennoch – es wird intensiv an der energetischen Nutzung der Alge geforscht. An Universitäten genauso wie in Unternehmen. Es gibt viele Möglichkeiten die Prozesse entlang der Wertschöpfungskette zu optimieren oder gänzlich neu zu erfinden. Und die biologische Ressource „Alge“ ist erst zu einem winzigen Bruchteil überhaupt verstanden und erforscht. Hier wurden in den letzten Jahren große Summen investiert und durchaus Fortschritte gemacht.

Man nähert sich dem Ziel der wirtschaftlichen Produktion von Kraftstoffen aus Algenbiomasse, wie dies dann aussehen wird, wird sich zeigen. Meiner Ansicht nach, wird ein wichtiger Baustein nicht nur die Biologie, Technologie und Prozessoptimierung sein, sondern auch die Etablierung des richtigen Geschäftsmodells.

Schon heute sind bei den innovativeren Unternehmen Ansätze zu erkennen, dass interessante Märkte für „Nebenprodukte“ vorsichtig besetzt und Marktpositionen über strategische Partnerschaften sukzessive ausgebaut werden. Diese Taktiken könnten zukünftig ein entscheidendes Kriterium dafür sein, wirtschaftlich Energieträger aus Algen zu erzeugen. Auch Ansätze wie eine Kaskadennutzung der Biomasse oder der erzeugten chemischen Verbindungen werden diskutiert.

Auf Basis dieser Tatsachen glaube ich, dass wir generell Biokraftstoffe aus Algen gewinnen und auch industriell produzieren werden. Den Zeithorizont für eine ökonomisch sinnvolle Produktion sehe ich eher bei ca. 10 -12 Jahren. 91% der Teilnehmer des 2013 Algae Industry Survey sind optimistischer und schätzen, dass Algentreibstoff bis 2020 konkurrenzfähig sein wird.

Klar ist aber auch, dass die Gewinnung  flüssiger Energieträger aus Algen keine Technologie sein wird, die allein den Bedarf an Biokraftstoff decken wird. Hier werden auch andere Technologien ihren Teil zum Gesamten beitragen.  Vor allem aber, wird die Alge zukünftig weit mehr als ein Produzent von Kraftstoffen sein. Auch wenn es scheint, dass dies in Anbetracht der endlichen fossilen Ressourcen heute das wichtigste Thema ist…

 

2 Comments

  1. Genau wenns nach den profitgeilen Öllobbys und Ölfirmen wie Exxons CEO Rex Tillerson geht würd der Algensprit nie realität…wacht mal auf.

    der Algenspritz ist schon marktreif und getestet

  2. Neue Treibstoffe werden erst dann flächendeckend verfügbar sein, wenn alle Ressourcen aufgebraucht wurden und die Öllobby einen Weg gefunden hat Geld an den neuen Treibstoffen zu verdienen. Vorher wird gar nichts marktreif oder flächendeckend sein.

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