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Wetterphänomene – kann eine „Algenwirtschaft“ die ökonomischen Folgen mildern?

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In Anbetracht sich häufender extremer Wetterlagen, kommt der Gedanke auf, dass eine weltweite, industrielle Algenkultur eine gewisse Stabilität in die Produktion von Futter- und Nahrungsmitteln bringen könnten. Vor allem eine Algenzucht mit Salzwasser wäre von den Dürreperioden kaum beeinflusst. Damit ergäbe sich die Möglichkeit, Stärke und Protein aus Algen weiterhin anbieten zu können. Voraussetzung wären natürlich entsprechende Produktionskapazitäten.

Momentan leiden die USA unter eine der schlimmsten Dürren der letzten Jahrzehnte und erste Prognosen deuten darauf hin, dass auch das Wetterphänomen El Nino dieses Jahr zu erwarten ist. Die Folgen der Dürre sind aktuell schon messbar – Preise für Getreide und Fleisch steigen. Das ist nicht nur in den USA der Fall, da die USA Getreide und Soja exportieren, sind auch andere Länder betroffen.

Entlang der Wertschöpfungskette sind meist nicht die Bauern und Viehzüchter die Leid- tragenden, diese Branchen sind meist über Ausfallversicherungen abgesichert. Letztlich trifft es, wie so häufig, die Armen dieser Welt. Die Getreidepreise auf dem Weltmarkt steigen und die Ärmsten der Armen werden wieder Schwierigkeiten haben, ihre Familien zu ernähren.

Wie bei der Dürre, treibt auch des Wetterphänomen El Nino die Preise in die Höhe. Nach den letzten Voraussagen, werden wir dies im Winter wieder erleben können. Missernten sind zu erwarten, weil der dringend benötigte Regen ausbleibt. Kann die Etablierung einer nachhaltigen Aquakultur in Form von Algenfarmen die Folgen dieser Wetterkapriolen abmildern?

Welche Optionen könnten Algen bieten?

Allzu oft werden Algen in der Presse mit Biotreibstoff assoziiert. Dabei wird ein wichtiger Aspekt meist vernachlässigt: Nahrungsmittel. Je nach Algenart findet man hohe Anteile an Protein und/oder Stärke. Algen sind damit durchaus in der Lage Produkte wie Soja- oder Fischmehl zu substituieren. Wenn man sich die Preisentwicklung dieser Produkte an den Weltmärkten ansieht, könnte eine Algenproduktion hier vielleicht mittelfristig konkurrenzfähig werden. Anfragen von Unternehmen die nach Alternativen zu Soja und Fischmehl suchen bestehen bereits, und zeigen ein deutliches Interesse in den Absatzmärkten.

Nicht nur Mikroalgen bieten Möglichkeiten Protein und Stärke zu liefern, auch Makroalgen könnten einen Beitrag bei der Diversifizierung der Rohstoffgrundlage für Nahrungsmittel liefern. Es gibt genügend Nationen, die schon heute Algen auf dem Speiseplan haben. Zudem sind in vielen Produkten schon heute Zutaten enthalten, die aus Algen gewonnen werden, das klassische Beispiel ist Carrageen. Ein interessanter Ansatz aus jüngerer Zeit ist auch das Algenmehl Almagin von Roquett-Solazyme Nutritionals.

Wie entwickelt sich die Algenbiotechnologie in diesem Bereich?

Algen können also an einigen Punkten der Nahrungsmittelproduktion ihren Beitrag leisten. Für einen Nutzen bezüglich der Stabilisierung der Rohstoffmärkte bei ungünstigen Wetterereignissen, ist allerdings eine Massenproduktion von Algen in großem, industriellen Maßstab notwendig.

Aktuell sehen wir einige Unternehmen, die sich von dem Thema Algenkraftstoff wieder lösen und auf den Nahrungsmittel- und Futterbereich fokussieren. Hier sind auch nicht nur Hochwertstoffe ein Thema, sondern durchaus auch Protein. Im Vergleich zu den Biokraftstoffen aus Algen, werden diese Märkte auch bezüglich der technischen Herausforderungen schneller zu erreichen sein.

Ein weiterer Aspekt wäre aus meiner Sicht, dass die Produktion von Protein/Stärke und Algen-Öl parallell erfolgen kann. Das bedeutet, dass selbst bei einer Ausrichtung des Geschäftsmodells auf Biokraftstoffe (was aktuell einfacher mit Risikokapital belohnt wird), in der Restbiomasse noch wertvolle Nährstoffe enthalten sind. Um diese nutzen zu können, muss der Produktionsprozess zwar konform gewisser Regularien ablaufen, vielleicht lohnt sich der Mehraufwand aber, wenn der Preis für die Biomasse stimmt.

Das Thema Wasserverbrauch in der Landwirtschaft vs. Algenproduktion soll hier auch nicht unerwähnt bleiben. Wird zur Produktion von Algen Salzwasser eingesetzt, liegen die Vorteile auf der Hand. Aber auch bei der Nutzung von Süßwasser, kann in technisch ausgereiften geschlossenen Systemen (Photobioreaktor) der Wasserverbrauch gering gehalten werden. Das Recycling von Nutzwasser aus dem Algenreaktor ist nicht ohne Hürden, doch auch hier macht die Entwicklung Fortschritte.

Fazit

Wir sollten davon ausgehen, dass wir auch zukünftig mit extremen Wetterlagen rechnen müssen. Dieses Wissen könnte eine Motivation sein, sich nach neuen Wegen in der Landwirtschaft umzusehen. Algen könnten hier eine Möglichkeit bieten, die Primärproduktion von Agrarrohstoffen auf eine breitere Basis zu stellen. Damit könnten Ernteausfälle bei Landpflanzen gepuffert und die Folgen abgemildert werden. Eine Diversifizierung der Produzenten könnte damit mehr Stabilität bei unberechenbaren Wetterextremen bieten.

Aktuell ist die Algenproduktion noch zu kostenaufwändig um kurzfristig eine größere Rolle in der Produktion von Protein und Stärke zu übernehmen. Aber in der Zukunft sehe ich hier durchaus Potentiale. Die Attraktivität der Zielmärkte steigt auch unter dem Aspekt, dass im Zuge der wachsenden Weltbevölkerung eine Nahrungsmittelknappheit zu erwarten ist.

Dabei ist auch nicht zu vergessen, dass sich die Länder, die unter den Folgen der Rohstoff-Preisexplosion am meisten leiden, sich oft klimatisch als Produzenten der Algenbiomasse anbieten. Das ist aus meiner Sicht durchaus ein wirtschaftlicher Anreiz…

 

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